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Hermann Röchling, 1872 - 1955.
Fotos: PTB
Hermann Röchling, 1872 - 1955. Fotos: PTB

Hochofenanlage der Vöklinger Hütte in den zwanziger Jahren.
Hochofenanlage der Vöklinger Hütte in den zwanziger Jahren.


Der Stammvater Johann Gottfried der Saarbrücker Linie der Unternehmerfamilie Röchling wurde 1703 in Dortmund- Wickede geboren und wurde bereits Eisenhütten-Direktor. Nachfahren wirkten im Hüttenwesen, im Kohlehandel und Bankgeschäft. So wurde Hermann Röchling am 12. November 1872 als elftes Kind des späteren Besitzers der Völklinger Eisenhütte (1881) und Königlich Preußischen Geheimen Kommerzienrates Carl Röchling und seiner Ehefrau Alwine, geb. Vopelius, in Saarbrücken geboren. Probleme um Kohle, Eisen und Stahl begleiten ihn in seinem Elternhaus von frühester Jugend an. Nach dem Abitur am Saarbrücker Ludwigs- Gymnasium studierte Sohn Hermann neben Maschinenbau und Hüttenwesen auch Rechts- und Wirtschaftswissenschaften in Heidelberg und Berlin. Praktische Erfahrungen erwarb er in verschiedenen Eisenhütten und Stahlwerken, so auch in der Ilseder Hütte und dem Peiner Walzwerk. Bereits mit 25 Jahren wurde er von seinem Vater mit dem Aufbau eines Hochofenwerkes im lothringischen Diedenhofen betraut und nur vier Jahre später mit der Leitung der Völklinger Eisenhütte. Schließlich unterstanden ihm der gesamte Röchlingsche Eisen- und Stahlkonzern mit etlichen Weiterverarbeitungsund Veredelungswerken.

… sind erfinderisch:

Selbst und im Verein mit Mitarbeitern ersann Hermann Röchling zahlreiche technisch- wissenschaftliche Neuerungen und führte sie konsequent ein. Dazu gehören Verfahren zur Soda-Entschwefelung bei der Verhüttung saurer manganarmer Eisenerze, des Weiteren zur Verbesserung der Hochofenprozesse, zur Edelstahlerzeugung und zur Verhüttung des bis dahin auf Halden verbrachten Gichtstaubs. Vor allem in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg erschienen bemerkenswerte Publikationen, zum Beispiel zur Entwicklung eines Niederfrequenzofens, des „Röchling-Odenhauser- Ofens“, der mit dem Thomas- Konverter im Duplexverfahren gekoppelt war und in der ganzen Qualitätsstahlindustrie eine Überprüfung der derzeitigen Erzeugungsgrundlagen einleitete. Mit dem Verlust der elsässischen und lothringischen Erzbergwerke nach dem Ersten Weltkrieg in Existenznöte der Völklinger Werke geraten, konnte Hermann Röchling der wirtschaftlichen Not durch Entwicklung neuer Verfahren begegnen, unter anderem zum Klassieren, zum Brechen und Sintern der Erze, zur physikalischen Möllerung und zur Verringerung des Kokseinsatzes. So gelang ihm nach dem Anschluss des Saargebietes an Deutschland (1935) ein erneuter ökonomischer Aufstieg.

… wirken politisch:

Wie seine national-liberal eingestellte Familie war er als Vorsitzender der Deutsch-Saarländischen Volkspartei für diesen Anschluss eingetreten. Sein Engagement für das Deutschtum im Saarland und die Aktivitäten des Röchling-Konzerns in zwei Weltkriegen hatten ihm neben höchster Machtfülle auch tiefste Erniedrigung eingebracht. Der Name Röchling war zu einer Art Symbol geworden für den Willen, deutsch zu bleiben, und für die stammesmäßige und kulturelle Geschlossenheit des Saargebietes ebenso wie für einen verständnisvollen Ausgleich der Interessen mit dem französischen Nachbarn. Von 1945 bis 1951 wurde er von den französischen Militärbehörden interniert. Militärgerichte verurteilten ihn und seine Vettern zu langen Freiheitsstrafen. Belegschaften und Betriebsräte der Röchling-Werke und aller angeschlossenen Unternehmen und selbst der französische Hochkommissar François Ponçet bemühten sich um seine Freilassung. 1951 wurde er begnadigt.

… genießen Wertschätzung:

Er war Gesellschafter, Aufsichtsrats- bzw. Vorstandsmitglied in der eigenen Eisenhandelsgesellschaft, der Baugenossenschaft Völklingen, der Saargas AG, der Stahlwerke Röchling-Buderus, der Brown Boveri AG und der Heinrich Lanz AG. Zwei Ehren-Doktorate, die Grashof-Denkmünze und Ehrenmitgliedschaft des VDI, die Ehrenmitgliedschaft im Verein Deutscher Eisenhüttenleute sowie der Siemens-Ring (1953) wurden ihm zuteil. Hermann Röchling starb am 24. August 1955 in Mannheim und damit kurz vor der erneuten Eingliederung des Saarlandes in deutsches Staatsgebiet und der Wiedereinsetzung der Röchling-Werke in den Familienbesitz.

Schrifttum: Kind, Dieter u. Walter Mühe: Naturforscher und Gestalter der Technik, VDE Verlag, Berlin u. Offenbach (2006); Brockhaus Enzyklopädie 16, Wiesbaden (1973)

Dr.-Ing. Hans Sonnenberg VDI