Der Stammvater Johann Gottfried der
Saarbrücker Linie der Unternehmerfamilie
Röchling wurde 1703 in Dortmund-
Wickede geboren und wurde bereits
Eisenhütten-Direktor. Nachfahren wirkten
im Hüttenwesen, im Kohlehandel
und Bankgeschäft. So wurde Hermann
Röchling am 12. November 1872 als
elftes Kind des späteren Besitzers der
Völklinger Eisenhütte (1881) und Königlich
Preußischen Geheimen Kommerzienrates
Carl Röchling und seiner Ehefrau
Alwine, geb. Vopelius, in Saarbrücken
geboren. Probleme um Kohle, Eisen und
Stahl begleiten ihn in seinem Elternhaus
von frühester Jugend an.
Nach dem Abitur am Saarbrücker Ludwigs-
Gymnasium studierte Sohn Hermann
neben Maschinenbau und Hüttenwesen
auch Rechts- und Wirtschaftswissenschaften
in Heidelberg und Berlin. Praktische
Erfahrungen erwarb er in verschiedenen
Eisenhütten und Stahlwerken, so
auch in der Ilseder Hütte und dem Peiner
Walzwerk.
Bereits mit 25 Jahren wurde er von seinem
Vater mit dem Aufbau eines Hochofenwerkes
im lothringischen Diedenhofen
betraut und nur vier Jahre später mit
der Leitung der Völklinger Eisenhütte.
Schließlich unterstanden ihm der gesamte
Röchlingsche Eisen- und Stahlkonzern
mit etlichen Weiterverarbeitungsund
Veredelungswerken.
… sind erfinderisch:
Selbst und im Verein mit Mitarbeitern ersann
Hermann Röchling zahlreiche technisch-
wissenschaftliche Neuerungen und
führte sie konsequent ein. Dazu gehören
Verfahren zur Soda-Entschwefelung bei
der Verhüttung saurer manganarmer
Eisenerze, des Weiteren zur Verbesserung
der Hochofenprozesse, zur Edelstahlerzeugung
und zur Verhüttung des bis dahin
auf Halden verbrachten Gichtstaubs.
Vor allem in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg
erschienen bemerkenswerte Publikationen,
zum Beispiel zur Entwicklung eines
Niederfrequenzofens, des „Röchling-Odenhauser-
Ofens“, der mit dem Thomas-
Konverter im Duplexverfahren gekoppelt
war und in der ganzen Qualitätsstahlindustrie
eine Überprüfung der derzeitigen
Erzeugungsgrundlagen einleitete.
Mit dem Verlust der elsässischen und
lothringischen Erzbergwerke nach dem
Ersten Weltkrieg in Existenznöte der
Völklinger Werke geraten, konnte Hermann
Röchling der wirtschaftlichen Not
durch Entwicklung neuer Verfahren
begegnen, unter anderem zum Klassieren,
zum Brechen und Sintern der Erze,
zur physikalischen Möllerung und zur
Verringerung des Kokseinsatzes. So gelang
ihm nach dem Anschluss des Saargebietes
an Deutschland (1935) ein erneuter
ökonomischer Aufstieg.
… wirken politisch:
Wie seine national-liberal eingestellte
Familie war er als Vorsitzender der
Deutsch-Saarländischen Volkspartei für
diesen Anschluss eingetreten. Sein Engagement
für das Deutschtum im Saarland
und die Aktivitäten des Röchling-Konzerns
in zwei Weltkriegen hatten ihm
neben höchster Machtfülle auch tiefste
Erniedrigung eingebracht. Der Name
Röchling war zu einer Art Symbol geworden
für den Willen, deutsch zu bleiben,
und für die stammesmäßige und
kulturelle Geschlossenheit des Saargebietes
ebenso wie für einen verständnisvollen
Ausgleich der Interessen mit dem
französischen Nachbarn. Von 1945 bis
1951 wurde er von den französischen Militärbehörden
interniert. Militärgerichte
verurteilten ihn und seine Vettern zu langen
Freiheitsstrafen. Belegschaften und
Betriebsräte der Röchling-Werke und
aller angeschlossenen Unternehmen und
selbst der französische Hochkommissar
François Ponçet bemühten sich um seine
Freilassung. 1951 wurde er begnadigt.
… genießen Wertschätzung:
Er war Gesellschafter, Aufsichtsrats- bzw.
Vorstandsmitglied in der eigenen Eisenhandelsgesellschaft,
der Baugenossenschaft
Völklingen, der Saargas AG, der
Stahlwerke Röchling-Buderus, der Brown
Boveri AG und der Heinrich Lanz AG. Zwei
Ehren-Doktorate, die Grashof-Denkmünze
und Ehrenmitgliedschaft des
VDI, die Ehrenmitgliedschaft im Verein
Deutscher Eisenhüttenleute sowie der
Siemens-Ring (1953) wurden ihm zuteil.
Hermann Röchling starb am 24. August
1955 in Mannheim und damit kurz vor
der erneuten Eingliederung des Saarlandes
in deutsches Staatsgebiet und der
Wiedereinsetzung der Röchling-Werke
in den Familienbesitz.
Schrifttum: Kind, Dieter u. Walter Mühe:
Naturforscher und Gestalter der Technik,
VDE Verlag, Berlin u. Offenbach (2006);
Brockhaus Enzyklopädie 16, Wiesbaden
(1973)
Dr.-Ing. Hans Sonnenberg VDI