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Speicher-Ofen.
Foto: Harms
Speicher-Ofen. Foto: Harms

Abb. 1: Sonnenhaus-Institut
Orientierung der Kollektoren. vergrößern
Abb. 1: Sonnenhaus-Institut Orientierung der Kollektoren.

Südansicht.
Foto: Harms
Südansicht. Foto: Harms

Abb. 2: Sonnenhaus-Institut Solarer Deckungsgrad. vergrößern
Abb. 2: Sonnenhaus-Institut Solarer Deckungsgrad.

Abb. 3: Sonnenhaus-Institut
Primärenergievergleich. vergrößern
Abb. 3: Sonnenhaus-Institut Primärenergievergleich.


Die für die Energieversorgung unserer Gebäude gebräuchlichen Energieträger Öl, Gas und Strom sind aufgrund der sich verknappenden Ressourcen in den letzten Jahren kontinuierlich im Preis gestiegen. Für die Zukunft ist abzusehen, dass sich diese Preisspirale aufgrund einer weiteren Rohstoffverknappung beschleunigen wird. Daher ist insbesondere bei der Neuerrichtung von Immobilen die Nachfrage nach energieeffizienten Gebäudekonzepten stark gestiegen. Um die Umweltbelastung durch den Energieverbrauch für Warmwasser und Heizung zu reduzieren, greift auch der Gesetzgeber zum Beispiel durch die neue Energieeinsparverordnung (EnEV) 2009 und zahlreiche Fördermaßnahmen steuernd ein.

Ein energieeffizientes Gebäude zu errichten verlangt, durch geeignete Maßnahmen den Energiebedarf eines Gebäudes so gering wie möglich zu halten. Der Hauptteil der Energie wird hierbei für die Erzeugung von Warmwasser für den Verbrauch und die Beheizung eingesetzt. Es sind bei der Planung generell zwei Aspekte zu berücksichtigen, um ein energieeffizientes Gebäude zu errichten: Die Energieverluste durch die Außenhülle des Gebäudes sind zum Beispiel durch eine Erhöhung des Dämmstandards zu reduzieren, und die dann noch benötigte Energiemenge ist durch eine effiziente Haustechnik abzudecken. Diese zwei Maßnahmen dienen der Reduzierung der benötigten Energiemenge ohne eine vertiefte Betrachtung darüber anzustellen, welcher Energieart sich zur Deckung des Bedarfes bedient wird.

Energieeffiziente Gebäudeplanung

Bei der Umsetzung des Sonnenhauskonzeptes wurde im vorliegenden Beispiel bei der Gebäudeplanung darauf geachtet, die meistgenutzten Räume im südwestlichen Bereich anzuordnen und große Fensterflächen mit Südausrichtung vorzusehen, während der Fensteranteil im nordöstlichen Bereich eher gering gehalten wurde. Das Außenmauerwerk des in massiver natürlicher Ziegelbauweise erstellten Gebäudes wurde aus hochgedämmten Ziegeln T8 von Wienerberger erstellt. Die integrierten Dämmkerne dieses innovativen Planziegels sind werksseitig mit natürlicher Perlite gefüllt, so dass die Außenwände bei einer Stärke von 42,5 cm einen U-Wert von 0,18 W/m²K erreichen. Die Außenhülle konnte so ohne weitere Zusatzdämmung auf Passivhausniveau erstellt werden. Um die Wärmeverluste im Bereich der Fensterflächen zu reduzieren, wurden die Fenster in Dreifachverglasung ausgeführt. Durch einen Blower-Door-Test wurde nachgewiesen, dass die Luftwechselrate bei circa einem Drittel des nach EnEV geforderten Wertes für ein Gebäude ohne raumlufttechnische Anlagen lag. Mit dieser luftdichten Ausführung werden Wärmeverluste durch einen zu großen Luftaustausch reduziert. Mittels dieser Maßnahmen konnte eine Gebäudehülle erstellt werden, die die energetischen Anforderungen der zum Zeitpunkt der Erstellung gültigen EnEV an die Gebäudehülle mit einem Wert von 0,26 W/m²K um fast 50 Prozent unterschreitet und bereits durch die reduzierten Energieverluste hilft, den zu deckenden Energiebedarf gering zu halten.

Nutzung regenerativer solarer Energie

Soll ein Gebäude errichtet werden, das zusätzlich dem Anspruch gerecht wird, regenerative Energien zu nutzen, ist hinsichtlich des Energiebedarfes zusätzlich entscheidend, welche Energieformen genutzt werden. Der auch bei einem energieeffizienten Gebäude noch bestehende Öl-, Gas- oder Strombedarf ist ganz oder weitestgehend durch regenerative Energien zu ersetzen. Eine unter diesem Aspekt schier unendliche Ressource ist solare Energie, welche bei dem Konzept des Sonnenhauses in Form von direkter Wärmeenergie genutzt wird. Bei diesem Konzept werden nach dem Sonnenhaus-Institut in Straubing mindestens 50 Prozent des Jahres-Wärmebedarfes (das heißt für die Warmwassererzeugung und die Heizung) aus Sonnenenergie gedeckt. Der verbleibende Wärmebedarf kann zum Beispiel durch Biomasse gedeckt werden, so dass ein Sonnenhaus klimafreundlich und CO2-neutral beheizt werden kann. Um eine ausreichende Ausbeute an solarer Energie zu erzielen, ist es bei der Grundstücksauswahl und der weiteren Gebäudeplanung wichtig, dass eine ausreichend große Fläche mit Südausrichtung für die Montage der Solarkollektoren zur Verfügung steht. Hierfür bietet sich eine nach Süden gerichtete Dachfläche an, da sowohl die Orientierung als auch die Neigung der Kollektoren den nutzbaren Solarertrag beeinflussen. In der Abbildung 1 lässt sich ablesen, wie sich Abweichungen von der optimalen Orientierung und Neigung auf den Ertrag auswirken. Grundvoraussetzungen für eine wirtschaftliche Sonnenhaus-Lösung liegen vor, wenn die Orientierung der Kollektoren nicht mehr als 30° von der Südausrichtung abweicht und ihre Neigung zwischen 40° und 70° liegt. Sind die Abweichungen hiervon zu groß, so sinken die solaren Gewinne insbesondere in den Wintermonaten, in denen die Sonne flacher steht und gleichzeitig der Energiebedarf am größten ist. Wesentlich flachere Kollektorflächen könnten jedoch im Sommer zu einer Überhitzung des Systems führen. Weiterhin ist es von Bedeutung, dass die Kollektorflächen nicht durch andere Gebäude, Gebäudeteile oder Bäume beschattet werden, da sich dies wiederum negativ auf die Ertragsbilanz auswirkt. Der solare Deckungsgrad des Sonnenhauses ergibt sich nun aus dem Anteil des Wärmeenergiebedarfes, der durch solare Energie gedeckt werden kann.

Speicherung der regenerativen Energie

Soll die Energie der Sonne als Hauptkomponente für die Deckung des Energiebedarfes eines Gebäudes genutzt werden, stellt sich zwangsweise die Frage, wie die vorwiegend in den Sommermonaten im Überfluss zur Verfügung stehende Sonnenenergie genutzt werden kann, um den vorwiegend in den Wintermonaten bestehenden Bedarf an Heizenergie zu decken. Es ergibt sich somit die Aufgabe, die in den Sommermonaten gewonnene solare Energie bis in die Wintermonate hinein zu speichern. Zu diesem Zweck verfügt ein Sonnenhaus über einen wassergefüllten Pufferspeicher, über den die gewonnene Energie als Wärme auch über einen längeren Zeitraum gespeichert werden kann. Dieser zylindrische Speicher befindet sich innerhalb des Gebäudes. Aufgrund des benötigten Speichervolumens und dem angewendeten Prinzip des Schichtenspeichers erstreckt sich der Solarspeicher zweckmäßigerweise über zwei Etagen des Sonnenhauses. Aus Abbildung 2 ist abzulesen, wie sich der solare Deckungsgrad, die Kollektorfläche und das Speichervolumen beeinflussen. Bei gleichbleibender Kollektorfläche steigt der solare Deckungsgrad bei der Wahl eines größeren Speichervolumens an, so dass je nach Gebäudeparametern auch ein solarer Deckungsgrad von 100 Prozent möglich wäre. Hierzu wären jedoch Speichergrößen von circa 40 m³ erforderlich. Unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten ist es häufig sinnvoller, bei einem geringeren Speichervolumen den verbleibenden Energiebedarf durch andere regenerative Energien zu decken. Der je nach dem solaren Deckungsgrad und dem Gesamtenergiebedarf benötigte Restenergiebedarf kann zum Beispiel durch Stückholz oder Pellets CO2-neutral durch Biomasse gedeckt werden. Im Falle von Bestandsbauten kann alternativ auch eine bestehende Gas- oder Ölheizung integriert werden.

Energiegewinnung, Speicherung und Biomassennutzung

Im Fall unseres Beispiels sind auf einer ohne Abweichungen nach Süden ausgerichteten Dachfläche mit einer Neigung von 42° circa 34 m² Solarkollektoren der Firma Solvis montiert. Zur Speicherung wurde ein Solvis-Pufferspeicher mit Schichtenladeeinrichtung und einem Speichervolumen von 7 m³ im Gebäude integriert. Beim angewendeten Prinzip des Schichtenspeichers, bei dem aufgrund der Speicherhöhe ein Temperaturgradient zwischen dem oberen, wärmeren Bereich und dem unteren Bereich ausgebildet werden kann, wird das durch die Kollektoren erwärmte Wasser über die Schichtenladeeinrichtung jeweils in Speicherhöhen mit gleicher Temperatur eingespeist. Bei dieser Funktionsweise wird auf einfache Weise ausgenutzt, dass Wasser gleicher Temperatur auch über die gleiche Dichte verfügt. Die für die Erwärmung des Warmwassers benötigte Wärmeenergie wird dem obersten, wärmeren Speicherbereich entnommen; die im niedrigeren Bereich herrschenden Temperaturen von gegebenenfalls nur 30°C reichen für die Beheizung mittels einer Fußbodenheizung aus. Durch die Kombination dieser haustechnischen Anlage mit dem hohen Dämmstandard konnte im Beispiel im Jahresdurchschnitt ein rechnerischer solarer Deckungsgrad von 58 Prozent erzielt werden. Praktisch bedeutet dies, dass der Bedarf an Wärme- und Heizenergien in den Monaten April bis Oktober zu 100 Prozent solar gedeckt wird. In den Monaten November bis März liegt der Deckungsgrad in Abhängigkeit der solaren Gewinne und der Ausnutzung der gespeicherten Energie zwischen 12 und 75 Prozent. Der im Winter bestehende Restenergiebedarf aufgrund geringerer solarer Gewinne und einem erhöhten Heizbedarf, wird in dieser Zeit durch einen eingemauerten Ofen mit einem wasserführenden Kachelofeneinsatz Powall „Vario S“ mittels Stückholzbefeuerung gedeckt. Durch diesen speziellen Ofeneinsatz wird die hier erzeugte Energie nur zu einem geringen Anteil direkt in den Raum abgegeben. Der Großteil wird durch den wasserführenden Ofeneinsatz direkt dem Pufferspeicher zugeführt und steht somit in den folgenden Tagen ebenfalls zur Deckung des Heiz- und Warmwasserbedarfes zur Verfügung. Unter Berücksichtigung dieser Maßnahmen ergibt sich für das Gebäude ein Primärenergiebedarf von 10,8 kWh/(m²a), so dass die Forderungen der zum Zeitpunkt der Errichtung 2008 gültigen EnEV von 117 kWh/(m²a) weit unterschritten werden und das Gebäude auf Passivhausniveau liegt. Die Gegenüberstellung in Abbildung 3 verdeutlicht in diesem Zusammenhang, wie stark der jährliche Primärenergiebedarf unterschiedlicher Gebäudetypen differiert. Dass sowohl Sonne als auch Feuer Wärme spenden, ist schon Kindern bewusst. Mit dem Sonnenhauskonzept wurde somit ein kinderleicht zu begreifendes Energiekonzept entwickelt. Durch den hohen Dämmstandard und die Flächenheizung bietet ein Sonnenhaus den Bewohnern einen hohen Wohnkomfort. Gleichzeitig bietet die direkte Nutzung der durch die Sonne erzeugten Wärmeenergie ein hohes Maß an Unabhängigkeit, während die Verfeuerung von Holz dem Bedürfnis nach Behaglichkeit und ökologischem Handeln entspricht.

Dipl.-Ing. (FH) Insa Harms