IQ- Journal
Ausgabe:
IQ- Journal
:: aktuelles ::
01/10
ZUR SACHE...
Energieeffizienz in ...
DBU-Projekt: Neuerke...
Energie und Wohnen a...
Verbrauchsminderung ...
Moderne Technik für ...
Sonnenhäuser – Der ...
Energieeffizientes H...
Ingenieure … sind i...
Arbeitskreis Technis...
VDI-Bezirksgruppe Wo...
Konstruktionswettbew...
VDI Bezirksverein be...
Einladung zur Mitgli...
Im Schatten des Zepp...
Bezirksgruppe Harz ...
Maschinenbauingenieu...
Technik verbindet D...
Vorankündigung: Erf...
Umgang mit der Resso...

 

 




Vergleich Energiekosten bei derzeitigen Energiepreisen (Stand 2008) für ein Einfamilienhaus mit zirka 200 m² Nutzfläche. 
Grafik: Solvis vergrößern
Vergleich Energiekosten bei derzeitigen Energiepreisen (Stand 2008) für ein Einfamilienhaus mit zirka 200 m² Nutzfläche. Grafik: Solvis

Einfamilienhaus, 200 m²
Nutzfläche, Dämmstandard
KFW 40,
Standort München-
Kollektorausrichtung
Süd/Neigung 45° vergrößern
Einfamilienhaus, 200 m² Nutzfläche, Dämmstandard KFW 40, Standort München- Kollektorausrichtung Süd/Neigung 45°

Anlagenschema Sonnenhaus mit Solvis-
Systemtechnik. 
Grafik: Solvis vergrößern
Anlagenschema Sonnenhaus mit Solvis- Systemtechnik. Grafik: Solvis

Muster-Sonnenhaus in Lehrte.
Foto: Solvis
Muster-Sonnenhaus in Lehrte. Foto: Solvis


Circa 75 Prozent des Energiebedarfs im Haushalt benötigen wir für Raumwärme und Warmwasser. Um unabhängig von fossilen Energieträgern zu werden, bieten Sonnenhäuser eine Lösung, bei der die Sonne als Hauptenergieträger fungiert. Sonnenhäuser wurden erfolgreich in der Praxis getestet, die Besitzer sind begeistert. In den vergangenen Jahrzehnten war die Frage nach der Wärmeversorgung bei Neubauplanungen und Sanierungen nur eine Nebensache. 90 Prozent der Häuser wurden mit Gas oder Öl versorgt, die restlichen 10 Prozent teilten sich Fernwärme, Holzkessel und Wärmepumpen. Im Vordergrund standen die Raumwünsche und der Komfort. Heute erfordern stark gestiegene Energiepreise, Klimawandel und Versorgungsunsicherheit völlig neue Antworten für Gebäude, die 50 bis 100 Jahre genutzt und deren Wärmekosten kalkulierbar bleiben sollen. Sonnenhäuser mit überwiegend solarer Versorgung sind eine Lösung, die gleichzeitig höchsten Komfort und Kostensicherheit für den gesamten Lebenszyklus eines Hauses bieten, wie hunderte gebauter Beispiele mit zufriedenen Bewohnern zeigen.

Fünf Bausteine für ein funktionierendes Sonnenhaus

  1. Orientierung zur Sonne Das Sonnenhaus nutzt die Sonne passiv über sehr gut isolierte Fenster mit U-Werten von € 1,00 W/m²K und aktiv durch die Solarkollektoren. Daher sollte die Orientierung des Gebäudes möglichst nach Süden mit maximal 30° Abweichung nach Osten oder Westen erfolgen. Im Winter müssen Kollektorfläche und möglichst die Südfenster verschattungsfrei sein. Zur Vermeidung von Überhitzung im Sommer sollte ein konstruktiver Sonnenschutz eingesetzt werden, dazu können Solarkollektoren zwischen den Fenstern dienen.
  2. Sehr gute Wärmedämmung des Gebäudes Voraussetzung für ein überwiegend solar beheiztes Haus sind möglichst niedrige Energieverluste. Die Gebäudehülle muss frei von Wärmebrücken und luftdicht sein. Die U-Werte sollten in den Wänden im Bereich von 0,2 W/m²K und im Dach bei 0,15 W/m²K liegen. Insgesamt sollte der Jahresheizwärmebedarf 45 kWh/m²a nicht überschreiten. Dadurch werden die Fördervoraussetzungen für KFW-40-Häuser erfüllt.
  3. Orientierung der Solarkollektoren Der optimale Neigungswinkel liegt zwischen 50 und 80 Grad.
  4. Abhängigkeit des Solaranteils von Kollektor- und Speichergröße Für Sonnenhäuser mit einem solaren Deckungsgrad von 50 bis 80 Prozent sind Kollektorflächen von 30 bis 50 Quadratmeter und Pufferspeicher von 4.000 bis 10.000 Liter Volumen sinnvoll. In Bild 2 sind die Zusammenhänge dargestellt. Der Pufferspeicher sollte schlank gebaut sein, mit mindestens 200 mm Isolierung versehen werden und in der beheizten Gebäudehülle stehen, so dass die Wärmeverluste im Winter zur Beheizung des Gebäudes genutzt werden.
  5. Auswahl der Systemtechnik Ein Sonnenhaus mit überwiegend solarer Wärmeversorgung erfordert eine hocheffiziente Systemtechnik.

Das Anlagenschema im Bild 3 zeigt eine optimale Kombination von:

  • Solaranlage mit Großflächenkollektoren SolvisFera
  • Pufferspeicher mit Schichtenlader
  • hygienischer Wassererwärmung im Direktdurchlauf
  • Holzvergaser mit 80 Prozent Wärmeabgabe über Wasserwärmetauscher an den Speicher
  • Heizkreisgruppe mit Hocheffizienzpumpe und Vorlaufmischer mit zwei Vorlaufanschlüssen
  • Niedertemperaturheizflächen, als Wand- oder Fußbodenheizung mit maximal 30° C Vorlauftemperatur.

Die Solarkollektoren laden den Pufferspeicher im Spätsommer komplett auf circa 95° C auf. Die gespeicherte Energie reicht üblicherweise bis Anfang Dezember. Danach wird bis circa Ende Januar die Heizung durch den Holzvergaser mit circa 20 bis 25 kW unterstützt. Sinkt die Temperatur im oberen Speicherbereich (S1) unter 55° C, unterstützt der Holzvergaser das System. Entscheidend ist, dass zirka 80 Prozent der Holzkesselleistung über den Wärmetauscher in den Pufferspeicher geführt werden, um eine Überhitzung des Wohnraumes zu vermeiden. Wird der Pufferspeicher jeweils zu circa 70 Prozent aufgeladen, so reicht die Pufferkapazität aus, das Haus mindestens eine Woche lang mit Wärme zu versorgen. Gleichzeitig kann so parallel die Solaranlage Wärme von den Kollektoren einspeichern. Bei ca. 10-maligem Aufheizen in der Winterzeit werden circa zwei bis drei Raummeter Holz verbraucht. Damit erreicht ein typisches Sonnenhaus (Bild 4) einen Solaranteil von ca. 70 Prozent und 30 Prozent werden aus nachwachsendem Holz bereitgestellt.

Der Schichtspeicher garantiert in Verbindung mit der Niedertemperatur-Flächenheizung einen hohen Wirkungsgrad des Gesamtsystems. Im Betrieb stellen sich drei Temperaturzonen im schlanken Speicher ein. Der obere Bereich mit einer Temperatur von 55° C bis 95° C dient der Wassererwärmung über die Frischwasserstation ohne Legionellengefahr. Aus dem mittleren Bereich werden Fußboden- und Wandheizung mit einer maximalen Vorlauftemperatur von 30° C bis 35° C versorgt. Zur optimalen Nutzung der Temperaturschichten wird eine Heizkreisstation mit zwei Vorlaufeingängen eingesetzt. Durch die Möglichkeit, die Vorlauftemperatur aus dem mittleren und dem oberen Speicherbereich mischen zu können, wird der obere Speicherbereich sehr wenig für die Heizung beansprucht und die Notwendigkeit, den Holzvergaser zu brauchen, auf ein Minimum reduziert.

In den unteren Speicherbereich werden die Rücklaufleitungen der Frischwasserstation mit circa 20° C und des Heizkreises mit circa 25° C geführt. Somit können die hocheffizienten Solarkollektoren mit optimal niedriger Rücklauftemperatur auch im Winter hohe Solarerträge im System erreichen.

Fördermöglichkeiten

Der hohe Solaranteil des Sonnenhaus- Konzeptes wird auch durch die aktuellen Förderprogramme belohnt. Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KFW) stellt stark zinsreduzierte Kredite über die Hausbanken entsprechend den Kriterien für KFW-40-Häuser zur Verfügung. Zusätzlich erhalten Häuser mit Solaranlagen zur Heizungsunterstützung, welche die KFW-40-Kriterien erfüllen, aus dem Marktanreizprogramm der Bundesregierung (MAP) einen Innovationsbonus für Solarkollektoren. Für ein Sonnenhaus mit 40 m² Kollektorfläche, einem Scheitholzvergaserkessel und einer Hocheffizienzpumpe ergeben sich so rund 8.200 Euro Zuschuss.

Dipl.-Ing. (FH) Helmut Jäger
SOLVIS GmbH & Co KG